Elementar

Es ist dieses eine Gefühl, dieses eine wie so oft nicht in Worte zu fassende Gefühl – nach zu viel großartiger Musik, nach zu viel großartigen Texten, eben nach zu viel Großartigkeit, nach zu viel Alleinsein, nach zu viel imMomentfeststecken, zu viel Koffein und viel zu wenig Alkohol – von dem ich nicht weiß, woher es kommt und wenn, warum dann eigentlich immer einfach so; so teil ersehnt, teils trotzdem plötzlich.
Und wieso mein Kopf für so was überhaupt noch Platz hat.
Es ist diese Art von Gefühl, mit der ich am liebsten jeden meiner Gedanken beginnen, und jeden Satz beenden würde; es mit Fingerspitzen anfassen, mit leichtem, aber präzisen Griff packen und es in einem alten Marmeladenglas mit rotkariertem Deckel sanft auf den Boden legen, wo es sich ausbreiten, es sich gemütlich machen – und ich es für immer aufbewahren könnte. Vielleicht gar nicht so sehr um die Erinnerung nicht zu verlieren, vielleicht sogar aus keinem anderen nachvollziehbaren Grund, aber um es mir Wochen, Monate oder Jahre später ins Regal stellen und sagen zu können: “Schau her, siehst du das? Das bin ich.” Und, sagen wir, ab und an mit dem kleinen Finger in die warme Soße auf dem Boden einzutauchen und diesen dann abzulecken. Um herauszufinden, wie das schmecken, um herauszufinden, wie sich es anfühlen würde und ob der Herzschlag noch frisch wäre, ob der Nachgeschmack der selbe ist wie heute oder nicht. Und ob der Knoten im Nacken sich gelöst hat.
Um, nur für ungefähr, zu erfahren ob sich das Aufbewahren gelohnt hätte und ob konserviertes Gefühl überhaupt Gültigkeit besitzt. Nicht für die Forschung, nicht für die Nachwelt, aber für mich und vielleicht auch für dich. Für das danach, für den Rest.
* * *
Schutzlos, flog mir gerade als Gedanke durch den Kopf; ja, vielleicht ist das in etwa das Gefühl – aber sicher weiß ich es nicht. Alles was ich sagen kann ist, dass sich schutzlos merkwürdiger Weise genau richtig anfühlt.
“The weak become heroes and the stars aligned.”
― The Streets, Weak Become Heroes