Dinge, die nur gelegentlich passieren
by Nik
candid, adj. unumwunden, ehrlich, Adj.
»Meistens, wenn ich mit jemandem schlafe, würde ich lieber lesen.« Ich gebe zu, das war eine merkwürdige Äußerung, wenn man sich gerade zum zweiten Mal sah. Vermutlich wollte ich dich nur vorwarnen. »Meistens, wenn ich lese«, sagtest du, »würde ich lieber mit jemandem schlafen.«
― David Levithan, Das Wörterbuch der Liebenden
Es gibt gute Bücher und es gibt Bücher, die sind großartig.
Und manchmal, nur ab und zu, ohne es wirklich darauf anzulegen, ohne darauf gefasst zu sein – ja, allein an Tagen mit Spülmaschinenrauschen, ernüchternd grauen Wolken und plätschernden Gedanken – gibt es welche dazwischen, die du in staubigen kleinen Buchhandlungen für drei Euro kaufst; der junge Mann hinter dem Holztisch gibt dir das Wechselgeld aus einer kleinen Box, kramt in einem Briefumschlag nach Zehn-Euro-Scheinen, was für ein Schnäppchen, denkst du, was für ein Schnäppchen, und dann sind diese Bücher nichts von beidem, nicht gut, nicht großartig, sondern vollkommen anders und genau hier, genau jetzt, auf jede Art perfekt und fast schon ein kleines Stückchen mehr als das, aber du weißt es noch gar nicht, du vermutest es nur, du wirst erst im Bus anfangen, das Buch zu lesen, ja, im Bus, denkst du, die Scheiben beschlagen, Musik im Ohr, nächste Haltestelle unbekannt. Und so passiert es dann auch.
Manchmal erschrecke ich daran, für einen ganz kleinen Moment, dass es Dinge gibt, die man, nachdem man sie gefunden hat, nur Menschen schenken will, die einem wirklich wichtig sind – dass es Dinge gibt, die so wunderbar zu sein scheinen, dass man glaubt, man übertreibt. Aber dann weiß ich, dass liegt daran, dass sie es sind.
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Am Schluss liest du solche Bücher ganz langsam, manche Seiten auch doppelt und dreifach, und blätterst lieber noch mal zurück und danach auch wieder vor und willst alles, nur nicht, dass sie zu Ende gehen; bleibst auf Seite 52 hängen und konservierst das Gefühl, das du hast, für den Abend und für den Morgen danach, für die nächsten paar Seiten. Es sind schließlich nur 212 – und das, das ist das einzig Doofe am Wörterbuch der Liebenden.
